RESONANZEN – Heute vor 10 Jahren am 17. April 2016: UA „In the darkest darkness“
Am 17. April 2016 wurde St. Katharinen zum Ausgangspunkt eines musikalischen Moments, der bis heute nachwirkt. Was als Chor-Orchesterkonzert unter dem Titel „Requiem für den Frieden“ angekündigt war, entwickelte sich zu einem eindrucksvollen künstlerischen Statement – und zugleich zur Geburtsstunde eines Werkes, das seither weit über Osnabrück hinaus Beachtung gefunden hat.

Auftragswerk der Bläserphilharmonie Osnabrück
Zehn Jahre später richtet sich der Blick vor allem auf diese Uraufführung: „In the darkest darkness… (I see your light)“ von Stephen Melillo – ein Werk für (optionalen) Chor und Blasorchester, das im Auftrag der Bläserphilharmonie Osnabrück entstand. Inspiriert von Texten des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer – insbesondere von „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – entfaltet das „musikalische Haiku“ eine unmittelbare emotionale Kraft. Es ist die existentielle Spannung zwischen Dunkelheit und Licht, zwischen Bedrängnis und Zuversicht, die Melillo, wie vielfach in seinen Werken, herzergreifend in Klang übersetzt. Bonhoeffers Gedanken, niedergeschrieben in den letzten Monaten seines Lebens, werden hier nicht nur vertont, sondern in eine universelle musikalische Sprache übertragen: Das Licht erscheint nicht als fernes Versprechen, sondern als gegenwärtige Wirklichkeit – leise, aber unüberhörbar. Gerade diese Unmittelbarkeit verleiht dem Werk seine anhaltende Wirkung. Es spricht nicht nur religiöse Deutungsräume an, sondern berührt existenzielle Fragen menschlicher Erfahrung – damals wie heute.
Eingebettet in ein großes musikalisches Zeichen
Die Uraufführung stand im Kontext eines sorgfältig gestalteten Programms, das sich dem Thema Frieden aus unterschiedlichen Perspektiven näherte. Im Zentrum des Konzerts erklang das „Requiem“ von Frigyes Hidas – ein Werk, das in der Tradition der großen Requien von Fauré, Berlioz und Verdi steht und zugleich eine eigene, unverwechselbare Tonsprache entfaltet. Hidas’ Musik schlägt den Bogen von der klanglichen Schwere des Anfangs hin zu Momenten des Trostes und der Hoffnung. Seine Widmung an die Opfer vergangener Kriege verleiht dem Werk eine zeitlose Dringlichkeit – als klingendes Mahnmal für Frieden und Versöhnung. Bereits zu Beginn des Konzerts bereitete „Praise Jerusalem!“ von Alfred Reed diesen gedanklichen Raum vor: Variationen über einen armenischen Osterhymnus, die das Spannungsfeld von Klage und Hoffnung eindrucksvoll eröffneten.
Klang gewordene Verbindung
Das Konzert war zugleich Ausdruck einer gewachsenen Partnerschaft: Gemeinsam mit der Vocalvielharmonie Osnabrück und dem Haarlems Gemengd Koor wurde ein internationales Projekt fortgeführt, das seinen Ursprung in der Städtepartnerschaft zwischen Osnabrück und Haarlem hat. Unter der Gesamtleitung von Jens Schröer entstand ein Klangkörper, der die Dimensionen dieses Programms eindrucksvoll erfahrbar machte – von monumentaler Wucht bis zu feinsten, beinahe intimen Momenten.
Ein Werk, das weiterlebt
Zehn Jahre nach seiner Uraufführung hat „In the darkest darkness…“ von Stephen Melillo nichts von seiner Strahlkraft verloren – im Gegenteil: Seine Geschichte hat sich seit 2016 eindrucksvoll weiterentwickelt. Erstmals lassen sich heute Einblicke in die Osnabrücker Premiere nacherleben:
In der Folge fand das Werk rasch internationale Beachtung. 2018 entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten eine professionelle Einspielung durch das Musikkorps der Bundeswehr unter der Leitung von Christoph Scheibling. Die Aufnahme erschien im Rahmen von Melillos „Chapter 55“ und trug wesentlich dazu bei, das Werk einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Über das rein Musikalische hinaus hinterließ die Uraufführung auch auf persönlicher Ebene Spuren: Zwischen Jens Schröer und Stephen Melillo entwickelte sich eine künstlerische Freundschaft, die den weiteren Weg des Werkes begleitete. Ein besonderer Höhepunkt dieser Entwicklung war die erneute Aufführung im Rahmen des Deutsches Musikfest 2019, bei der das Musikkorps der Bundeswehr das Werk in einem großen Konzert in Osnabrück präsentierte – und damit den Bogen zurück zum Ort seiner Entstehung schlug.
Wer sich intensiver mit dem Werk beschäftigen möchte, kann es direkt beim Komponisten erwerben. Für den Vertrieb in Deutschland ist zudem der Verlag Rundel ein zentraler Ansprechpartner für die Werke von Stephen Melillo.
So ist aus einer Uraufführung ein Werk gewachsen, das heute weit über seinen Entstehungsort hinaus wirkt – getragen von der gleichen Botschaft, die bereits seine Premiere geprägt hat: dass selbst in tiefster Dunkelheit ein Licht sichtbar wird.