„Wenn Tod und Armut auf dem Speisezettel stehen“
Online Musik Magazin, 30.09.2013
Chor-, Extra- und Kinderchor, der Banda, den spielfreudigen Gesangssolisten, dem spannungsreich und detailliert in Tempo und Dynamik gestaltenden Osnabrücker Sinfonieorchester gelingt unter der einfühlsamen, den Schmelz der Musik auskostenden Leitung von Andreas Hotz’ ein packender, anrührender Opernabend. Allen voran Lina Lius anrührende Charakterisierungskunst. Ihr vollmundiger, warm grundierter Sopran weiß mal schlank, mal in leichtem Vibrato zu schillern und zugleich mit leisen, silbrig zerbrechlichen Tönen die Krankheit und Todesnähe Mimìs zu verkörpern. Susann Vent stellt mit spritzigen, glockenreinen Koloraturen die ebenso verführerische, kapriziöse Musetta dar. Gastsänger JunHo You gibt einen allzu jugendlich kraftvollen, leicht metallisch gefärbten Dichter Rodolfo. Daniel Moon ist ein stimmlich flexibel charakterisierender Maler Marcello, Jan Friedrich Eggers ein geradezu buffonesk selbstverliebter Musiker Schaunard. Shadi Torbeys tiefgründiger Bass verkörpert den philosophierenden Colline. […] Die Inszenierung überzeugt durch ausgesprochen stimmige, auf einander abgestimmte Interpretation, Spielfreude, gesangliche Präsenz und anrührende musikalische Gestaltung.